Donnerstag, 26. Februar 2009

Der Muffelmann

Gerade dabei, Diplom-Texte zu sortieren. Noch ein Monat bis zur Abgabe. Umfrage lief übrigens sensationell. Beim Sortieren auf etwas gestoßen, dass ich mal in der Bahn notiert hatte. Damals, als man noch rauche durfte.


Auf der Strecke Berlin-Bamberg gehe ich ins Raucherabteil und lasse mich gegenüber einem etwas muffelig aussehenden alten Mann fallen.
Meine Frage, ob es mir denn gestattet sei, an seinem Tisch eine feine Schmockete einzunehmen, begrunzt er mit einem Ton, den ich mich noch geradeso als "meinetwegen" zu interpretieren traue.

Ich schmöcke also unfröhlich vor mich hin und denke mir:
Keine Zeitung durchblättert er, kein Buch liest er, keine Kopfhörer verwöhnen die Ohren und in Laptoptasten haut er erst recht nicht.
Kein Wunder also, das der arme Mann muffelig ist – so ganz allein mit seiner Muffeligkeit.

Ob er wohl über sein Leben nachdenkt?
Ist ihm etwas schlimmes widerfahren, so dass er von medialer Zerstreuung nichts wissen möchte?
Will er wohl die ganze Fahrt unabgelenkt vor sich hinmuffeln?

Plötzlich nimmt er ein Buch aus seiner Tasche. Unauffällig versuche ich, den Titel zu erkennen. Als es mir schließlich gelingt, muss ich ziemlich aufpassen, dass sich mein inneres Schmunzeln nicht zu einem dicken Grinsen ausweitet.

Er liest: „77 Wege zum Glück“. Und schlägt ganz vorne auf.

Kommentare:

snegu hat gesagt…

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner!

baddiel hat gesagt…

brutal!

 
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